„Man kann nicht jedes Kind retten”: Wie eine Grundschule gegen Gewalt unter den Kleinsten kämpft

publiziert in shz.de am 02. August 2019

„Man kann nicht jedes Kind retten“, hat Dana Ruhnke ihre Recherche-Arbeit überschrieben. Die Autorin des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages hat die Situation an einer Grundschule in einem sozialen Brennpunkt-Gebiet untersucht. Über ein halbes Jahr nahm sie einmal in der Woche am Unterricht in der Klasse 3c teil und beobachtete Abläufe, Personen, Ereignisse und Besonderheiten. Ein exzellenter Recherche-Ansatz.

Unaufdringlich begleitete Dana Ruhnke auf diese Weise das Schulleben. Akribisch, eindringlich und bildreich beschreibt sie, was sie sah, hörte und spürte, wo die Konflikte an dieser Schule liegen, wie die Probleme entstehen, wie Lehrer und Rektor um jedes einzelne Kind kämpfen. Die Verzweiflung mancher Lehrkräfte, das harte tägliche Ringen des Rektors – es wird spürbar für jeden, der die mehrteilige Recherche-Serie aufmerksam liest.

Aus dieser sensiblen Langzeit-Recherche, die aus verschiedenen Perspektiven von Schülern, Lehrern, Rektor und anderen Akteuren die Situation an der Schule skizziert, ist für die Leser ein beeindruckendes Gesamtbild entstanden. Man wird hineingezogen in die vielschichtigen Probleme an der Schule, die spannend, aber sprachlich unaufgeregt erzählt und beschrieben werden. Ruhnke wählt eine verständliche, klare Sprache, die nachvollziehbar erzählt, was an der Schule läuft.

Die Arbeit von Dana Ruhnke überzeugt in besonderer Weise, weil es der Autorin gelingt, den Leser nicht durch übertriebene Sentimentalität in eine soziale  Problematik „hineinzudrücken“, sondern weil sie die Leserinnen und Leser durch einfühlsame und ansprechende Weise durch die Schule führt, ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben. Die Texte entfalten ihre Wirkung aus sich selbst heraus.

Man kann nicht jedes Kind retten, aber Dana Ruhnke hat es geschafft, den Leser zum Nachdenken zu bringen – über die Situation an vielen Schulen. Ihre Recherche zwingt uns genauer hinzusehen. Weil es sich lohnt, für jedes Kind zu kämpfen.

Dana Ruhnke

Online-Reporterin, shz.de