„Narcoland. Das Meth-Kartell im Dreiländereck“

publiziert in der Aachener Zeitung am 24. Dezember 2021

Ein Drogenschmuggler mit Wohnsitz in Aachen macht den Journalisten Alexander Gutsfeld neugierig: Was hat die Stadt des Doms, der Maschinenbaustudenten und der Printen mit Crystal Meth zu schaffen, der inzwischen weltweit am meisten konsumierten Droge nach Haschisch?

Seine spannende, ja atemberaubende Recherche hat Gutsfeld in die fünfteilige Podcast-Serie „Narcoland. Das Meth-Kartell im Dreiländereck“ gegossen. Der Plot, der es spielend mit einer Netflix-Miniserie aufnehmen könnte, gleicht der eines Krimis, in dem Neugier, Aufklärungseifer und auch ein Stück Jagdinstinkt den Ermittler – hier den Journalisten – vorantreiben und sich die Puzzleteile seiner Entdeckungen immer mehr zu einem Gesamtbild fügen. Das entwickelt einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann.

Gutsfeld reist auf den Spuren der Hersteller von Methamphetamin (so die offizielle Bezeichnung) und der Kartelle, die es unter die Leute bringen, durch halb Europa. In den Niederlanden versucht er, sich Zugang zu einem von der Polizei ausgehobenen Drogenlabor zu verschaffen, ehe er von vierschrötigen, finsteren Gestalten unsanft vertrieben wird. Im Nachbarland besucht er auch einen ehemals erfolgreichen Dealer. In Tschechien, der Crystal-Hochburg, trifft Gutsfeld einen ehemaligen Drogenkoch. Er spricht mit einem Ex-Junkie über die verheerenden Wirkungen auf Körper und Psyche . Die Zuhörer bekommen eine Fülle von Hintergrund-Informationen über die Produktion und den weltweiten Handel mit Crystal Meth, in dem das berüchtigte mexikanische Sinaloa-Kartell eine entscheidende Rolle spielt.

Dass Gutsfeld sich an der Schwere des Sujets nicht verhebt, liegt zum einen an der Sorgfalt und am Perspektivenreichtum seiner Recherche, zum anderen an einem betont lakonischen Erzähl-Stil. Die Fülle von O-Tönen und Atmo-Stücken macht die einzelnen Beiträge zu einem lebendigen Kino für die Ohren. Ein ums andere Mal beweist Gutsfeld auch hier Sinn für Dramaturgie und Timing. In den zahlreichen Interviews kommt er seinen Gesprächspartnerinnen und -partnern beeindruckend nahe.

Der besondere Reiz von „Narcoland“ liegt auch darin, wie Gutsfeld die eigene Rolle und sein Verhältnis zum Thema reflektiert: nachdenklich, durchaus auch selbstkritisch und mit einem Schuss hintergründigen Witzes: „Oft ist recherchieren einfach nur ein anderes Wort für warten. Zum Beispiel darauf, dass jemand zurückruft .“ Der Nachwuchsjournalist, der sonst Crystal Meth bislang vor allem aus seiner TV-Lieblingsserie „Breaking Bad“ gekannt hat, erschließt sich – und seinen Zuhörenden – in „Narcoland“ Stück für Stück eine fremde, geheimnisvolle und düstere neue Welt.

Foto:  MHA (Beitrag), privat (Portrait)
Alexander Gutsfeld

Freier Journalist